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Klinikum MSP

Stellungnahme Klinikum

Sehr geehrter Herr Landrat, liebe Kolleginnen und Kollegen!

Das Klinikum Main-Spessart ist Hauptthema des Kreistages seit vielen Jahren. Die wohnortnahe Krankenhaus-Versorgung aufrecht zu erhalten, war gemeinsamer Wunsch aller Mitglieder des Kreistags. Die dabei entstehenden Fehlbeträge über viele Jahre zu tragen, war ebenso eine gemeinsame und sehr bewusste Entscheidung.

Die Hoffnung der Mehrheit des Kreistags im Jahr 2012, die drei Häuser mit „neuen Kooperationen und Schwerpunkten“ trotz damals schon deutlich steigendem Defizit halten zu können, hat sich jämmerlich zerschlagen - und leider haben auch mehr als die Hälfte der Patienten IHR Krankenhaus nicht angenommen.

Drei Gutachten von drei verschiedenen beauftragten Fachbüros kamen zur einer nahezu übereinstimmenden Beurteilung des Klinikums Main-Spessart, das nur Zukunft habe bei Zentralisierung an einem Standort und medizinischer Nachnutzung der anderen Häuser. Das wurde zwischenzeitlich mit großer Mehrheit beschlossen.

Gesundheitsreformen und zuletzt das Krankenhausstrukturgesetz, das 2016 in Kraft getreten ist, haben die Bedingungen sowohl für die medizinischen Leistungen wie auch für den wirtschaftlichen Betrieb drastisch verändert. Dazu kommt ganz dramatisch die bundesweit festgestellte Tatsache, dass das „flache Land“ in allen Bereichen, also auch in den Krankenhäusern, größte Probleme hat, Ärzte zu finden. Das hat auch Herr Dr. Fleischmann in der vergangenen Woche in Marktheidenfeld unmissverständlich geschildert. Ebenso hat er dargelegt, dass wir dazu auch noch Ärzte verlieren – und zwar vom Assistenz- bis zum Oberarzt - weil sie zu unseren aktuellen Bedingungen nicht mehr arbeiten wollen oder können.

Fachübergreifende Notaufnahmen sind heute mit dem medizinischen Standard nicht mehr vereinbar. Die Ärzte sind nicht mehr bereit, die medizinische Verantwortung in solchen Notaufnahmen zu übernehmen. Und das ist auch verständlich, denn sollte es zu Fehlern oder Schädigungen kommen, sind der jeweilige Arzt und auch der Krankenhausträger voll verantwortlich in allen rechtlichen Belangen. Zu einer Notaufnahme gehören Labor, ein komplettes OP-Team, CT-und MRT-Geräte und eine Intensivstation.

Tatsache ist ebenfalls, dass die Ärzte dort nicht mehr operieren, wo die Infrastruktur bei möglichen Komplikationen fehlt – z.B. wo keine Intensivstation vorhanden ist wie in Marktheidenfeld oder Karlstadt.

Können und wollen wir das wirklich kritisieren? Wir reden hier von Menschenleben!

Das alles bedeutet: Der von uns gewünschte „sanfte Übergang“ in den Häusern Marktheidenfeld und Karlstadt bis zum Bau des neuen Zentralklinikums ist nicht möglich. Die Realität hat uns längst überholt.

 

Und nun komme ich zur wirtschaftlichen Seite, die ebenso hart, ebenso bitter und ebenso nachgewiesen ist:

Selbstkritisch müssen wir Kreisräte feststellen, dass in allen drei genannten Gutachten übereinstimmend und über viele Jahre hinweg organisatorische Fehler, unklare Strukturen und Entscheidungszuständigkeiten und ähnliche Mängel festgestellt wurden, die jetzt dringend beseitigt werden müssen. Das hat zum heutigen Defizit von rund 10 Millionen Euro beigetragen.

Wenn dieses Defizit sich durch die geänderten Bedingungen bis zum Bezug des neuen Zentralklinikums hochrechnen lässt auf 100 Millionen Euro - und ohne unseren Eingriff das neue Haus schon mit einem zweistelligen Millionenbetrag im Minus starten müsste, dann wäre auch das verantwortungslos.

Verantwortungslos wäre es auch deshalb, weil der Landkreis weitere wichtige Aufgaben hat, die er unter diesen Bedingungen nicht mehr erfüllen könnte. Stillstand aber wäre Rückschritt.

Dass die Bürger in Karlstadt, Marktheidenfeld und Umgebung sich wenigstens einen sanfteren Übergang in ein Zentralklinikum wünschen, dass sie vorher auch gern ein abgestimmtes und überzeugendes Nachnutzungskonzept für die beiden Häuser gekannt hätten, können hier wohl alle verstehen.

Deshalb fällt es vielen Kolleginnen und Kollegen alles andere als leicht, heute die notwendigen Entscheidungen zu treffen – dass das auch für mich gilt als Bürgermeisterin von Marktheidenfeld und für meinen Kollegen aus Karlstadt, Paul Kruck, das werden Sie mir glauben.

Wenn wir heute im Kreistag - wie schon am Montag im Werkausschuss geschehen - die Zentralisierung der Notaufnahme in Lohr bestätigen, dann ist es die logische Konsequenz aus den darlegten Fakten, dass dies aus medizinisch erforderlichen und haftungsrechtlichen Gründen erfolgen muss - und auch aus wirtschaftlichen Gründen. Das gilt auch für den Beschluss zur Konzentration der chirurgischen Leistungen.

Deshalb werden die Freien Wähler diesen Beschlussvorlagen mit großer Mehrheit zustimmen.

 

Helga Schmidt-Neder

Kreisfraktionsvorsitzende der Freien Wähler