Seiteninterne Navigation

Freie Wähler Landesverband BayernFreie Wähler Landesverband BayernFreie Wähler Landesverband BayernFreie Wähler Landesverband BayernFreie Wähler Landesverband Bayern

Navigation

 

Aktuelles

Seiteninhalt

Fraktionsvorsitzende zum Klinikum MSP 21.10.15

Stellungnahme der FW-Fraktionsvorsitzenden zum Klinikum MSP

Sondersitzung Klinikum 21.10.2015

Zu dem soeben öffentlich und ausführlich vorgestellten Gutachten fasse ich die Meinung der FW-Fraktion mit einem Wort zusammen:

Erschütternd!

Vor fast genau drei Jahren hat der Kreistag mehrheitlich beschlossen, die dezentrale Struktur unserer Krankenhäuser und damit die drei Standorte aufrecht zu erhalten und die Qualität zu verbessern, um weiter eine möglichst gute und ortsnahe medizinische Versorgung zu ermöglichen. Das in voller Kenntnis der Tatsache, dass dies zu dauerhaften finanziellen Defiziten zu Lasten des Landkreises führen würde.

Das heute öffentlich vorgestellte Gutachten hat eine Generaluntersuchung des Klinikums zur Grundlage.

Diese lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig; es gibt keine unterschiedlich interpretierbaren Aussagen, sondern Klartext. Der allerdings ist vernichtend.

Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass die Hälfte unsere Landkreisbürger – mit steigender Tendenz – andere Krankenhäuser aufsucht.

Wir müssen ebenfalls zur Kenntnis nehmen, dass es nicht gelungen ist, die Angebote in den Häusern dem tatsächlichen Bedarf anzupassen.

So ist z.B. bis heute die Behandlung von Herzerkrankungen in unseren Krankenhäusern nicht möglich, obwohl diese zweifellos zu den Haupterkrankungsarten gehören.

Bisher wurde das Thema „Klinikum Main-Spessart“ vor allem unter dem Aspekt der galoppierenden Kostenentwicklung und des entsprechenden Defizits für den Landkreis diskutiert.

Das Argument unserer Fraktion und auch mein persönliches Argument war stets: Es kann nicht sein, dass wir ausgerechnet dort sparen, wo kranke Menschen und deren mitsorgenden Familien betroffen sind. Wir waren überzeugt davon, dass wir

  • mit der – damals neuen - professionellen Leitung des Klinikums und den     eingeleiteten Kooperationen,
  • mit verbessertem medizinischen Angebot,
  • mit einer erheblich verbesserten Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten
  • und der entsprechenden Öffentlichkeitsarbeit

 

das Vertrauen unserer Bürger in die Krankenhäuser stärken und damit die dezentralen Einrichtungen gehalten werden können. Unter diesen Voraussetzungen wäre die FW-Fraktion weiter bereit gewesen, finanzielle Defizite zu verantworten.

Einen gewaltigen Strich durch diese Rechnung macht uns jedoch vor allem das neue Krankenhausstrukturgesetz.

Hohe Qualität der medizinischen Leistungen an den Krankenhäusern wird danach auch hoch vergütet – wobei hohe Qualität nach diesem Gesetz nur mit sehr hohen Fallzahlen erreicht werden kann. Es ist jedoch vollkommen unmöglich, solche Fallzahlen in jedem unserer Häuser zu erreichen.

Das größte Problem ist aber, dass das Klinikum Main-Spessart durch diese Voraussetzungen keinerlei Chancen mehr hat, genügend qualifizierte Ärzte und Fachkräfte zu finden.

Sie gehen dorthin, wo sie optimale Bedingungen finden. Diese können wir nicht mehr bieten.

Dazu kommt, dass durch den geplanten Strukturfonds der Gesetzgeber darüber hinaus klar und deutlich die Zentralisierung und das Schließen kleiner Krankenhäuser auch finanziell fördert – sprich: die Neubauten von Zentralkliniken, nicht die Sanierung von Häusern.

Dass unsere Häuser einen erheblichen Investitionsstau haben, war bekannt; deshalb gibt es ja auch fertige Pläne für eine Sanierung in Lohr. Dass die dringend nötigen Maßnahmen noch erheblich gravierender wären, als uns bekannt, wird uns ebenfalls durch das Gutachten in aller Schärfe klar.

 

Selbstkritisch sage ich für unsere Fraktion wie auch für mich selbst:

  • Wir haben es nicht für möglich gehalten, dass Gesundheitspolitik in unserem Land so weit führen wird.
  • Wir haben ehrlich an Verbesserungen der medizinischen Versorgung in den Häusern des Klinikums Main-Spessart durch die eingeleiteten Kooperationen und beantragte Verbesserungen geglaubt.
  • Wir wollten eine gute Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten zum Wohl der Patienten im Landkreis.
  • Und wir waren bereit, dafür auch verantwortbare dauerhafte Kosten zu tragen.

 

Das sage ich weiß Gott mit Tränen in den Augen - auch als Bürgermeisterin von Marktheidenfeld. Denn es ist klar und deutlich nachgewiesen: Wenn wir kranke Menschen weiter stationär im Landkreis versorgen wollen, dann ist das künftig unter den gegebenen gesetzlichen Bedingungen nur in einem zentralen Krankenhaus-Neubau möglich.

Die Frage, die wir ernsthaft und ohne jedes Kirchturmdenken diskutieren müssen ist:

An welchem Ort hat ein neues Qualitäts-Krankenhaus Main-Spessart die beste Chance, die große Mehrheit der Bevölkerung anzuziehen? Diese Diskussion und selbstverständlich damit einhergehend die Frage der überzeugenden Nachnutzung aller drei bisherigen Häuser muss bald, mit aller Sachlichkeit und ohne jeden Zeitdruck geführt werden!